Tannhäuser
Tannhäuser
Wagners Tannhäuser gehört zu jenen musiktheatralischen Werken, in denen sich der Übergang des Komponisten von der romantischen Oper zur späteren ästhetischen Konzeption des Musikdramas mit besonderer Deutlichkeit zeigt. Die Oper, die 1845 in Dresden uraufgeführt wurde, greift auf die mittelalterliche Legende vom Ritter und Sänger Tannhäuser zurück und entfaltet dessen innere Zerrissenheit zwischen zwei gegensätzlichen Welten: der leiblich-sinnlichen Sphäre des Venusbergs und der moralisch-religiösen Ordnung der Wartburg. Gerade diese Dialektik von erotischem Begehren, Schuld und Erlösungssehnsucht bestimmt sowohl die Dramaturgie als auch die musikalische Anlage des Werkes. In musikwissenschaftlicher Hinsicht ist Tannhäuser besonders faszinierend, weil die Oper einerseits noch wesentliche Züge der romantischen Oper und der grand opéra bewahrt, andererseits aber bereits Wagners spätere Konzeption des Gesamtkunstwerks in der Form des Musikdramas vorwegnimmt. Wie Carl Dahlhaus hervorgehoben hat, sind die Leitmotive in dieser Partitur noch nicht im späteren, streng semantischen Sinne ausgebildet; vielmehr fungieren sie häufig als Erinnerungsmotive, die situationsgebundene Assoziationen hervorrufen. Mit markanten musikalischen Kontrasten entwirft Wagner die sinnliche Welt der Venus, geprägt von Chromatik, expressiver Melodik und opulenter Orchestrierung, während die Szenen auf der Wartburg durch eine ruhigere diatonische Anlage, chorischen Gesang und klangliche Anspielungen auf die Tradition des gregorianischen Chorals bestimmt werden. Einen besonderen Rang innerhalb der Oper nimmt der berühmte Pilgerchor ein, der das gesamte Werk dramaturgisch als Allegorie des Weges zur Erlösung rahmt, während die Ouvertüre bereits in verdichteter Form Wagners spätere Tendenz zur symphonischen Konstruktion des musikalischen Materials anklingen lässt. Gerade aufgrund dieser Zwischenstellung zwischen Tradition und Innovation bleibt Tannhäuser eines der Schlüsselwerke des europäischen Opernkanons. Im kommenden Herbst wird das Werk in der Geschichte Maribors erstmals in seiner ganzen symbolischen, musikalischen und theatralischen Komplexität in einer Inszenierung des international renommierten Regisseurs Frank Van Laecke zu erleben sein, die als internationale Koproduktion des SNG Maribor, des Kroatischen Nationaltheaters in Zagreb und des Cankarjev dom Ljubljana entsteht.